Fast vier Jahre ist es nun her, dass ich das letzte Mal diese Seite aufgerufen und einen Eintrag verfasst habe. Der Grund für die Wiederbelebung dieses Blogs ist folgender:
Ende Dezember habe ich an meiner Universität einen Aushang für eine Stelle als Language Assistant in der Nähe von Melbourne entdeckt. „Wow, was für eine tolle Erfahrung das sein müsste, würde man dort unterrichten können“. Dies war mein erster Gedanke beim Lesen der Stellenausschreibung. Da ein kleiner Beisatz dazu aufrief für weitere Informationen den Koordinator an der Uni zu kontaktieren, und ich eigentlich nur nähere Infos haben wollte, schrieb ich die besagte Person an. Innerhalb kürzester Zeit befand ich mich auch schon inmitten eines Bewerbungsverfahrens für eine neunmonatige Stelle in Australien. Dabei wollte ich doch nichts anderes als ein paar nähere Informationen zu der Schule und den Aufgaben, die man erledigen müsste, haben. In der engeren Auswahl für die Stelle waren fünf Personen mit denen man nach und nach Telefoninterviews vereinbart hatte. Mitte Januar sollte mein Bewerbungsgespräch am Telefon stattfinden.
D-Day: Mitte Januar, Dienstag, 10 Uhr deutscher Zeit. Seit 8 Uhr saß ich nun schon mit dem Telefon in der Hand an meinem Tisch und ging meine Notizen durch. Die Zeit bis zum Anruf aus Australien rückte stetig näher und, obwohl ich meine Notizen hundertmal durchgegangen war und sie langsam auswendig konnte, war ich nicht in der Lage von ihnen abzulassen, sie immer und immer wieder durchzugehen. Ob dies die deutsche Gründlichkeit oder doch nur meine Aufregung war, sehen wir später. Mittlerweile war es zwei bis drei Minuten vor 10 Uhr – der Zeitpunkt, der darüber entscheiden sollte, ob ich in Zukunft an einem Top-Internat in Australien unterrichten durfte, rückte immer näher. Ich saß steif auf meinem Stuhl, die Handflächen auf dem Tisch und starrte das Telefon an. Zehn Uhr… und das Telefon regte sich nicht. Kein Klingeln, kein Aufblinken der Tasten. Nichts. „Sie rufen zu spät an“, war mein Gedanke. Seit zwei Stunden wartete ich nun auf das Telefonat, das dazu in der Lage war, mein Leben entscheidend zu ändern. Jede Minute kam mir wie eine Ewigkeit vor. Um drei Minuten nach 10 Uhr erschien schließlich die australische Vorwahl, + 61, auf dem Telefondisplay und ich wusste, wer an der anderen Leitung sein würde. Mein Herz klopfte bis zum Hals, meine Hände zitterten, und dennoch: meine Stimme schien gefestigt zu sein – worüber ich mich selbst wunderte. Die Stimme am anderen Ende war so hell und freundlich, dass sie mir meine anfängliche Schüchternheit und Angst schnell nahm. Nach einem kurzen Smalltalk erklärte man mir den Schulalltag, die Aufgaben, die auf mich warten würden (sofern man sich für mich entscheiden sollte) und stellte mir noch ein paar Fragen. Am Ende des Telefonats sagte man mir, man müsse noch weitere Interviews mit den anderen Bewerbern führen, würde sich aber am Abend noch einmal melden, um die Entscheidung zu verkünden. Somit blieb mir nichts anderes übrig als die spannungsgeladenen Stunden bis zur Entscheidung so gut wie möglich mit anderen Dingen zu verbringen, um mich selbst nicht verrückt zu machen. Und so ging ich meinen gewohnten Tagesablauf durch. Mittlerweile war es früher Abend. Ich erwartete eine elektronische Antwort. Ununterbrochen starrte ich auf das Display meines Computers. Nichts. Ich kontrollierte meine Emails im Zehn-Minuten-Takt; jedes Mal als ich nachsah, war keine neue Email in meinem Account zu entdecken. Gegen 22.30 Uhr, als ich von den Strapazen des Tages eingedöst war, kam meine Mutter aufgeregt ins Zimmer und hielt das Telefon in der Hand. Sie flüsterte ganz aufgeregt: „Andrea, Australien ist dran“. Ich nahm das Telefon, meldete mich mit meinem Namen und hörte nur die Frage, ob ich die Stelle denn haben wolle? „Yes, a big YES!“, entgegnete ich der Stimme am Telefon. Da ich über das Ergebnis der „Jury“ so erstaunt war und nicht damit gerechnet hatte die „Auserwählte“ zu sein, wusste ich nicht, was ich der Dame am Telefon entgegnen sollte und entschuldigte mich für meine Wortkargheit.
Ein paar Tage später bekam ich alle relevanten Papiere der Schule zugemailt, musste den Bewerbungsbogen für das Visum ausfüllen und hatte diverse Dokumente, die beglaubigt und übersetzt werden mussten, in Auftrag gegeben. Am 4. Februar war es soweit: Ich hatte alle relevanten Dokumente eingescannt und per Email an die Immigrationsbehörde in Australien geschickt. Um mich zu vergewissern, dass man meine Papiere erhalten hatte, schrieb ich die Behörden nach ca. acht Tagen an. Mit einer negativen Antwort hatte ich nicht gerechnet, bekam sie aber trotzdem. „Oh nein. Was mache ich denn jetzt“, war meine erste Reaktion. Mein Puls und meine Verzweiflung stiegen. „Gut, dann werde ich nun alles per Fax abschicken“. Gesagt, getan. Leider hatte man auch mein Fax nicht erhalten. So blieb mir am Ende nichts anderes übrig als alle Dokumente dreimal per Fax und Email abzuschicken. Vorsichtshalber hatte ich die Originalpapiere auch per DHL Express International abgeschickt, was mich 86 Euro gekostet hatte.
Nach dem großen Hin-und Her bezüglich der Papiere, hatte ich noch einmal mit den Behörden in Australien gesprochen, die mir dann den Erhalt aller Dokumente per Fax bestätigten. Mittlerweile könnte es jeden Moment losgehen. Die Erteilung eines Visums kann zwischen einem und 28 Tage dauern. Das Schrecklichste ist die Überbrückung der Zeit. Man weiß nicht, wann es losgeht, man hat kein fixes Datum, auf das man sein Hauptaugenmerk richten kann. Inzwischen weiß ich gar nicht mehr wohin mit meiner Aufregung. Aber auch dies wird mit Geduld überstanden, denn Vorfreude ist bekanntermaßen die schönste Freude.
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